Hier möchte ich einfach euch mal meine Erfahrung mitteilen, wie es sich anfühlte bewusst „NEIN“ zu sagen zum Alkohol und auch zu Abhängigen.

Wie ihr schon aus den anderen Beiträgen rauslesen konntet, war meine Zeit mit einer alkoholabhängigen Person nicht gerade einfach oder spaßig – im Gegenteil.
Aber egal in welcher Situation man sich befindet, man möchte irgendwann seinen inneren Frieden herstellen und dazu gehört ein entschiedenes Nein.
Ein „nein“ muss nicht immer heißen, dass man damit komplett aufhören muss oder es lassen muss, aber manchmal geht es nicht anders und man muss sich dazu zwingen.

Mein persönliches „Nein“ kam, als ich innerlich immer wütender gegenüber meiner Mutter wurde. An manchen Tagen wusste ich mit meiner Aggression gar nicht mehr wohin und um das zu umgehen, habe ich mir gesagt:
„Hey, dein Gefühl geht zu weit, mach‘ irgendwas – aber es darf nicht soweit kommen..“ Und daraufhin habe ich mich entschlossen, fort zu gehen, weil es letztendlich zu weit ging.
Es fiel mir nicht einfach, ganz und gar nicht, aber dieser Schritt musste einfach sein. Wer weiß, wenn ich diesen Schritt niemals gegangen wäre, wie wäre es dann ausgegangen? Hätte ich meine Mutter eher verloren? Hätte ich mich zusammengerissen? Oder es wäre vielleicht noch schlimmer geworden als es eh schon war?! Ich weiß es nicht, aber ich weiß dass es richtig war wie ich zu diesem Zeitpunkt gehandelt habe.

Zu diesem entschiedenen Nein sagen, gehört viel Mut und sehr viel Kraft, keine Frage. Ich habe das „Nein“ auf Personen angewandt, man kann es aber auch auf anderen Punkten anwenden wie beim Alkohol, bei Drogen oder bei anderen Dingen, die einem Schaden könnten. Meine Mama hat mir zwischenzeitlich als ich noch bei ihr wohnte immer mal wieder angeboten zu rauchen, einen Schnaps zu trinken. Ich bliebe standhaft und sagte immer „Nein!“ Ich weiß nicht, ob sie das für gut befand, aber ich bin stolz darauf und ich werde weiterhin mein Bestes geben, dass ich standhaft bleibe.

Aber was bedeutet denn dieses „Nein“ eigentlich? Ist es ein Gefühl, eine Meinung, eine Einstellung, eine Redewendung? Ich finde, es kann sowohl ein innerliches Gefühl als auch eine Einstellung sein. Manche können auf Anhieb Nein sagen und manche können dieses eben nicht und ich gehöre zu denen, die es nicht können.
Keine Ahnung, aber ich fühle mich jedesmal mies, wenn ich „Nein“ sagen muss.. Denn wenn man zuviel ablehnt, gilt man schnell als „spießig“, „langweilig“ oder „alt“.
„Ach hab‘ dich doch nicht so…“, „Du stellst dich aber heute wieder an…“, „Ist doch nur ein Glässchen..“. Solche Sätze kennt bestimmt jeder von uns und wie nehmen wir diese wahr? Viele nehmen diese Sätze sich zu Herzen und trinken wirklich ohne das sie es wollen und das dann ohne Grenzen bzw über den „Durst“. Man kann es auch auf andere Sachen anwenden wie bei Zigaretten, beim Einkaufen oder auf sonstige Aktivitäten.

Meine Mama hat sich oft die Sorgen und Probleme weggetrunken. Jedesmal wenn was von Behörden kam oder die Familie wieder rumgestresst hat, griff sie zum Glas und trank. Trank bis zur Erschöpfung – teilweise.
Natürlich summiert sich das alles und der Körper gewöhnt sich an die Menge oder will immer mehr, den Pegel immer weiter erhöhen. „Ach einer geht noch..:“ Und zack wird das nächste Glas geleert. Aber die Probleme werden dadurch auch nicht besser, auch wenn es für diesen einen Moment so scheint. Wer am meisten darunter leidet ist die Leber – die leber kann bis zu einem Gewissen Prozentsatz sich selbst wieder regenieren, aber kann sie das nicht mehr – ist es meist auch schon zu spät um aufzuhören. Es gibt diesen „kalten Entzug“, wo man komplett aufhört von einem Tag auf den anderen, aber auch den langsamen Entzug, wo man die Trinkmenge von Zeit zu Zeit reduziert.  Wobei man nie vergessen darf, dass die Betroffenen es auch selbst wollen. Auf Krampf und unter Zwang sehe ich persönlich es viel kritischer als wenn sie es von sich aus wollen. Unter Zwang kann es meist auch passieren, dass sie dann mehr trinken als bisher und schneller durch die Folgen sterben als man ahnen könnte.

Von daher wäre ein klar entschiedenes NEIN hier wohl zum Vorteil: Man schadet sich selbst nicht (mehr) und man schadet bzw. belastet keine Angehörigen, Freunde und/oder Bekannte.
Nun ist es aber auch leider so, dass es viele nicht sehen wollen, dass diese Entscheidung die Richtige wäre – wie bei meiner Mutter. Sie sah sich nie als „Alkoholiker“ oder dachte daran, dass sie ein Trinkproblem hätte – nein, im Gegenteil: Sie empfand es als normal 6 Flaschen Ouzo in kürzester Zeit zu trinken. Ich teilte allerdings diese Meinung nicht. Und dass ist es, jeder empfindet das anders.
Wichtig finde ich, dass man alles im Auge behält, was „süchtig“ machen könnte – es sei denn es ist Schokolade, dann ist das was anderes! Spaß beiseite. 😀 Auch bei Süßigkeiten sollte man aufpassen, eigentlich bei allem..