Hier möchte ich auch mal aufzeigen, was die Co-Abhängigkeit mit einem machen kann und wie diese verläuft und wie sie sich hauptsächlich bei mir verhalten hat.

Aber eine Sache möchte ich bevor ich hier anfange anmerken: Gibt niemals auf. Gibt EUCH niemals auf. Ihr habt nur dieses eine Leben, macht was draus! 

Bekannt ist ja, dass diese Abhängigkeit in 3 Phasen verlaufen kann.

  1. In der Beschützerphase erfährt der Suchtkranke besondere Zuwendung und Mitgefühl in der Hoffnung, er könne seine Sucht aus eigener Kraft überwinden.
  2. In der Kontrollphase übernehmen die Bezugspersonen die Aufgaben und Probleme des Süchtigen, wodurch sie die Sucht gegenüber dritten Personen verdecken.
  3. Die Anklagephase ist durch zunehmende Aggression und Verachtung dem Kranken gegenüber geprägt. Am Ende kann eine vollständige Hilfslosigkeit der Co-Abhängigen entstehen.
    (Quelle: Wikiepdia.de)

Gehen wir mal die erste Phase durch, die Beschützerphase. Ich habe meine Mutter umarmt, ihr Mut zugesprochen, dass wir alles schaffen würden. Sie hat sogar eigenständig aufgehört Weinbrand mit Cola zu trinken und erlitt leider dadurch viele Halluzinationen, da hatte ich die Hoffnung, dass sie neue Kraft schöpft und neuen Mut fasst und wieder weiter macht. Diese Phase hat leider nicht lange angehalten.. Denn sie fand ein neues alkoholisches Getränk, den Ouzo.

In der Kontrollphase habe ich alles gemacht, was hätte sie machen müssen. Ich musste zb. die Briefe die mein Opa hatte und meine Mutter hätte schreiben sollen, schreiben. Unter anderem habe ich alles erdenkliche versucht um es ihr einfach wie möglich zu machen, Stress vermieden, Probleme eigenständig geklärt und wie in der ersten Phase ihr Mut zugesprochen. Ich habe meine Mama als besser bei Verwandten selbst bei der Oma dargestellt, als sie es in Wirklichkeit war.
Immer wenn jemand fragte „Wie geht es deiner Mama? Habe sie ja lange nicht mehr gesehen?“ „Och, meiner Mama geht es super, hat nur wieder viel zutun, sie wird sich die Tage mal bei dir melden, ich richte ihr deinen Gruß aus!“ So verlief das meist, in der Hoffnung diese Personen nicht mehr zu sehen, da mir das bewusste Lügen sehr unangenehm war. Zeitweise habe ich mir die Schuld gegeben, dass sie trinkt und wollte es wieder gut machen, indem ich das mache, was sie eben nicht mehr konnte oder auch nicht wollte.

Nun kommt die schlimmste Phase in der ich mich je befand: die Anklagephase.
Ich habe mich in dieser Zeit, als ich mich in dieser sogenannten phase befand nicht wieder erkannt.
Wie sauer und wütend ich da auf meine Mama war. Ich selbst war voller Aggression und war wie eine tickende Zeitbombe innerlich. Es hat auch zu etlichen malen zum Streit geführt und ich hatte sie auch nicht mehr wirklich respektiert und akzeptiert. Teilweise hatte ich sehr böse Gedanken an sie, die ich hier aber nicht aufzählen mag, da ich es zutiefst bereue, sowas jemals gedacht zu haben.
Ich wusste einfach nicht weiter, ich wusste einfach nicht mehr wie ich ihr einfach noch helfen konnte.
Sie litt in regelmäßigen Abständen an Nierencholiken und lag wimmernd auf dem Boden und ich durfte ihr einfach nicht helfen und das war sehr frustierend, allein schon weil sie es mir IMMER am nächsten Tag negativ ausgelegt hat. Als sie diese Cholik hatte hieß es „Nee, ich brauche keine Hilfe. Ich komme alleine klar, ehrlich. Kümmere dich mal um dich selbst, du musst noch lernen für die Schule.“ Als ich das tat, natürlich bot ich dauerhaft meine Hilfe an und griff ihr unter die Arme und sie weigerte sich stets, kam dann am nächsten Tag der Vorwurf, ich würde ihr nie helfen wollen und würde nur an mich denken. Das alles über ein längerem Zeitraum.. Himmel machte mich das aggressiv. Es kam sogar zu einem minimalen körperlichen Konflikt in dem sie mir wieder gedroht hat und mir zu nahe kam und ich sie aus Reflex weggeschubst habe. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich mich erschrocken habe und wie leid es mir tat. Gott sei Dank ist ihr nichts zugestoßen, aber da hielten wir beide echt mal inne. Ich habe mir geschworen, sollte ich innerlich nochmal in diese Situation kommen haue ich ab und das tat ich auch. Das war so eine schlimme Zeit für mich ihr nicht helfen zu können..

Es gibt aber Kritik in der Suchtforschung über diese Abhängigkeit.
„Co-Abhängigkeit wird in der Suchtforschung kontrovers diskutiert. So wird unter anderem kritisiert, dass es viele einander widersprechende, unpräzise Begriffsdefinitionen gibt, und dass Angehörige, über das Attribut ‚co-abhängig‘, oft völlig ungerechtfertigterweise, pauschal als Schuldige bzw. Täter diffamiert werden.“ (Quelle: Wikipedia.de)

Ich nehme zu manchen passagen in diesem Wikipedia-Artikel Stellung. Ich zitiere diesen Text und schildere euch mal, wie es sich bei mir verhalten hat.

„Der Co-Abhängige hat dabei eigene Motive. Indem er sich um den Süchtigen kümmert, vermeidet er gleichzeitig, sich um sein eigenes Leben zu kümmern. Co-Abhängiges Verhalten ist psychoanalytisch gesehen eine Form der Abwehr eigener ängstigender Bedürfnisse und Gefühle. Das Helfersyndrom ist eine besonders ausgeprägte Form dieser Abwehr. Co-Abhängige machen den Abhängigen oft zum Mittelpunkt ihres Lebens. Sie erfahren dafür teilweise zunächst die Anerkennung ihrer Umgebung. Sie nehmen die Helferrolle ein bis zur völligen Selbstverleugnung. So kommt es z. B. zur finanziellen Überschuldung bei dem Versuch, einem Heroinsüchtigen zu helfen. Als Folge solcher Co-Abhängigkeit können die Kinder leiden, beispielsweise durch mangelnde Zuwendung, oder die eigene Arbeitsfähigkeit im Beruf. Nach einer Trennung sucht sich der Co-Abhängige oft wiederum einen Süchtigen als neuen Partner, bei dem er seine eigene Co-Abhängigkeit wieder als vertrautes Abwehrmuster nutzen kann.“ (Quelle: Wikipedia.de)

Meine Meinung: Ich habe mein eigenes Leben hinten angestellt um meiner Mama gerecht zu werden und vorallem zu gefallen. Ich wollte eine große Hilfe für sie sein und nicht das Problem. Anerkennung habe ich durch Verwandte nie bekommen. Mangelnde Zuwendung ist für mich ein sehr relativer Punkt. Ich habe Zuwendung bekommen, nur nicht solche, die in meinen Augen gerecht gewesen ist. Andere wurden von den Eltern umarmt, ich bekam halt immer „Anschiss“ weil wieder – obwohl ich nichts gemacht habe – irgendwas gegen ihr Strich gelaufen ist. Ich hatte den Verdacht, sie hatte förmlich nach meinen Fehltritten gesucht und auch gefunden. Aber ich habe mir jetzt in meinem jetzigen Leben keinen mehr gesucht, der auch an einer Sucht erleidet, kann bei jedem anders sein, aber bei mir lief das anders ab – ZUM GLÜCK!

„Co-Abhängige können gleichzeitig mit dem Wunsch zu helfen, auch Wut oder andere als schwierig erlebte Gefühle in Bezug auf den Abhängigen empfinden und schwere Auseinandersetzungen führen, z. B. um die Menge des Alkoholkonsums. Für Kinder in solchen Beziehungen ist es schwierig, soziale Kompetenzen zu erwerben – z. B. die Beurteilung, wann und wie auf einen Anlass adäquat zu reagieren ist. Diese soziale Unsicherheit wird als Negativfaktor für das Risiko später entstehender Suchterkrankungen bei den betroffenen Kindern im Erwachsenenalter gesehen. Jedoch sollten auch biologische Prädispositionen und das allgemeine soziale Umfeld bei solchen Schlussfolgerungen nicht außer Acht gelassen werden.“ (Quelle: Wikipedia.de)

Meine Meinung: Ja, das war ja bei mir die Anklagephase, wo ich richtig aggressiv und wütend war.
Ich habe bis heute Schwierigkeiten Kontakte zu knüpfen, da tue ich mich unheimlich schwer, weil ich nie weiß, ob das Verhalten was ich da habe richtig oder falsch ist. Genauso wenig kann ich einschätzen ob ich jetzt mitfühlend zum anderen bin oder nicht. Ich komme mir immer recht „stumpf“ vor, aber kann bei sehr traurigen Situationen von anderen weinen. Das ist ganz komisch..
Da ich ein kleines Einzelunternehmen führe, bin ich wortwörtlich gezwungen, auf bestimmte Emotionen und Gestiken zu reagieren. Es ist nicht leicht, aber man kann es schaffen. Es ist auch viel Übung und ausprobieren, aber mit der Zeit kann man gewisse Sachen besser einschätzen.