Ich habe hier einige Tipps für euch, wie ihr mit der Sache am Besten umgehen könnt.
Mir haben immer gewisse Sachen geholfen. Es fällt einem am Anfang nicht direkt leicht, aber wer daran festhält und diese auch öfters einsetzt, wird es später recht leichter fallen.

„Ich werde nur beleidigt..“

Das Gefühl kenne ich sehr gut. Meine Mama hat mich auch immer beleidigt. Ich sei zu nichts zu gebrauchen, sei eine Fehlentscheidung, ich bin zu doof für die Welt und was sie alles noch so sagte.

Wichtig ist, dass ihr euch bewusst macht, dass die betrunkene Person vom Alkohol geleitet wird. Der Alkohol beeinflusst die betroffene Person so sehr, dass sie gar nicht mehr Herr über deren Worte, Gefühle und Sinne ist. Der Alkohol ist der Feind, nicht die betroffene Person selbst.

„Ich mache mir solche Vorwürfe, ich bin daran schuld das er/sie trinkt..“

NEIN! Definitiv nein! Diese Person hat die Wahl SELBST getroffen und zur Flasche gegriffen, nicht du. Du trinkst nicht, du weißt dass es falsch ist. ich habe lange für dieses „NEIN!“ gebraucht. Denn ich hätte ja mehr machen können als so schon.. Oder ich fand mich teilweise tatsächlich so dumm (so wie Mama es immer sagte) und hab mir die Schuld des Alkoholmissbrauchs. Aber hey, ich habe 13 Jahre OHNE SITZENBLEIBEN die Schule geschafft. Da kann man doch nicht dumm sein, also ehrlich..

„Was kann ich verhindern, dass er/sie trinkt?“

Ich habe es versucht indem ich meine Mama in aller Öffentlichkeit blamiert habe, aber diesen Weg empfehle ich euch nicht, denn dieser wurde mir im nachhinein sehr übel genommen. Im Grunde könnt ihr nicht viel machen, außer den Alkohol wegschütten, die Betroffene Person dauerhaft darauf hinweisen, dass es verkehrt ist. Aber vorsicht: Immer schauen, dass diese Person nicht aggressiver wird. Lieber ein paar Tage Pause, als ein blaues Auge zu riskieren! Hört auf mich. Was ihr auch machen könnt, was ich nicht gemacht habe, weil ich es nicht kannte und nicht besser wusste, Hilfsstellen aufsuchen. Diakonie, DRK oder wer dafür zuständig ist. Ich werde bei Zeiten hier eine Liste aufzeigen, an denen ihr euch wenden könnt. Spricht mit näheren Verwandten, enge Freunde. Sucht euch Hilfe!

„Ich möchte so gern helfen, weiß aber nicht wie..“

Kein Problem. Du hilfst schon ungemein, wenn du demjenigen kein Alkohol kaufst oder irgendwelche alkoholhaltigen Pralinen wie Mon Cherie etc schenkst. Auch hier gilt wieder, dass ihr euch an Hilfsstellen wenden könnt oder an Freunde/Verwandte.. Tauscht euch mit denen aus. Im Grunde könnt ihr da auch viel ausprobieren.

„Was kann ich machen, dass ich selber nicht daran kaputtgehe?“

Ich habe mich an die Musik geklammert. Ich kann heute soviele Lieder auswendig ohne Hilfe sagen mit Jahr, Interpret, Album innerhalb 3 Sekunden. Gut, ich gebe zu, hat autistische Züge, aber das hat mich innerlich beisammen gehalten ohne komlett wahnsinnig zu werden. Gestaltet selbst ein Puzzle, indem ihr einfach ein schönes Mandala ausdruckt, es ausmalt und es in kleine Stücke zerreißt um es später wieder zusammen zu puzzlen. Schreibt Gedichte, liest Bücher, aber kümmert euch bitte auch um euch! Sucht euch was, was Spaß machen könnte und es auch machbar ist.

„Kann ich dem allen überhaupt gerecht werden?“

Nein, kannst du nicht. Irgendwas vernachlässigst du immer – wenn es am Ende du bist. Ich wollte meiner Mama immer gerecht werden, ich wollte SIE unbedingt stolz machen und auch alles andere wie Schule, Familie gerecht werden. Was habe ich dabei vergessen? An mich zu denken. Durch die Bank weg habe ich alles geregelt, aber auf mich nie geachtet, weil ich immer dachte „Ach, stelle dich nicht so an, du bist hier nicht im Mittelpunkt!“ und so ging es von Jahr zu Jahr und heute? Heute weiß ich gar nicht mehr, was mir überhaupt noch gut tun soll.

„Wie komme ich da bloß heraus?!“

Rauskommen wirst du letztendlich nie, denn es wird immer ein Teil von dir sein, bewusst als auch unbewusst. Es werden dir Fragen mit der Zeit deines Lebens aufkommen, die andere, die sowas hatten, nie Fragen werden. Aber genausp siehst du gewisse Dinge anders, du hast mehr Dankbarkeit in dir und nimmst nicht alles als selbstverständlich hin.
Ich bin damals einfach abgehauen, weil ich an einem Punkt war, wo es einfach nicht mehr ging. Ich bin regelrecht geflohen. (Dies dient nur als Beispiel für meine Situation, ich bitte euch, diesen Weg euch sehr gut zu überdenken! Ihr braucht dafür weitaus mehr als nur einen Fluchtweg..
Auch Selbstmord ist hier auf gar keinen Fall eine Option! Schaut mich an, ich lebe auch und habe es überstanden, dass schafft ihr auch!
Geht zu Bekannten, bittet diese, ob ihr für eine Weile bei ihnen schlafen könnt, bis ihr eine Hilfsorganisation aufgesucht habt oder geht gemeinsam hin!

– Fortsetzung folgt. –